Frau mit Umhängetasche im Museum Ludwig in Köln

Die Frau mit Umhängetasche war auch im Museum Ludwig in Köln

Duane Hanson: Frau mit Umhängetasche, 1974  –>mp3

Nicht nur im Roman von Oscar Wilde das Bildnis des Dorian Gray altert ein Kunstwerk sichtbar, sondern auch im Museum Ludwig. Dies hat nichts mit übersinnlichen Kräften zu tun, es wurde vom Künstler selbst so umgesetzt.

Der hyperrealistischen Skulptur von Duane Hanson Frau mit Umhängetasche von 1974 wurde ihre häufige Verwechslung mit einer Museumsbesucherin bereits mehrmals zum Verhängnis. Durch ihre sockelfreie, ungeschützte Präsentation hält man sie für einen Menschen aus Fleisch und Blut, der bei Gefahr oder Gedränge reagieren, und wenn nötig, ausweichen kann.

Ihre ursprünglich jugendliches Aussehen dauerte nur bis April 1977. Vermutlich wurde sie angerempelt und beim Sturz ein abgebrochener Arm stark beschädigt. Nur durch den Künstler konnte die Skulptur restauriert werden.

Dieser nahm die Gelegenheit wahr, das Gesicht seines Geschöpfes altern zu lassen  – wie im richtigen Leben! Die vorher makellose Haut war fleckig, sie hatte eine rote Nase und die Haare waren struppig zerzaust. Der Schmelz der Jugend war vergangen, die Frau wirkte ungepflegt und vernachlässigt.

Nach einer erneuten Kollision mit einem Besucher in der Galerie im Juli 1990 legte der Künstler wieder Hand an und ließ die Skulptur zum zweiten Mal altern . Die Gesichtszüge wurden schlaffer, die Haut sah müde aus, feine Falten umspielten Augen, Nase und Mund, die Haare wurden grau. Aber im Ganzen machte sie wieder einen gepflegteren, seriösen Eindruck. Lediglich die legere Freizeitkleidung blieb die gleiche.

Im März 2003 rempelte erneut ein Museumsbesucher die Skulptur an. Diese kippte um und brach sich wiederum den Arm. Der junge Besucher kam mit dem Schrecken davon. Nun stand der 1996 gestorbene Bildhauer zu einer Wiederherstellung nicht mehr zur Verfügung. Der Alterungsprozeß hatte also ein Ende gefunden, die Phase der Konservierung hat begonnen.
Die junge Restauratorin Aline Jahn führte im Rahmen ihrer Diplomarbeit Untersuchungen durch, um einen Weg zu finden, den gebrochenen Arm zu restaurieren. Nach aufwendigen Material- und Klebemittel-Tests entwickelte sie eine technisch aufwendige Zwingenkonstruktion, um den abgebrochene Arm wieder paßgenau verkleben zu können. Kleinste Ausbrüche wurden gekittet und die „Schürfwunden“ imitativ retuschiert. Das heutige Erscheinungsbild der Skulptur mit dem Originaltitel „Woman with a Purse“ läßt den gravierenden Schaden nahezu vergessen. Seit dem 28. November ist sie wieder unter den Museumsbesuchern.

von  Kolb und  Nagel

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